Es steht mir nur ein kurzer Tag heute bevor und ich lasse es beim Frühstück ruhig angehen und schaue mir dann noch das Dorf ein wenig genauer an. Kurz vor dem Mittag mache ich mich dann aber doch auf den Weg und habe noch einmal ein paar gigantische Ausblicke auf die Riesen der Welt und den Ama Dablam. Wieder in Namche Bazar angekommen, beziehe ich mein Zimmer und kaufe mir einen warmen Apfelkuchen, über den ich mit den Mädels und Jungs die letzten Tage schon soviel gesprochen habe. Den restlichen Tag verbringe ich mit Emails checken, Karten schreiben und dann Bierchen auf Markos Tochter Emma trinken. Ich treffe dann noch auf eine verrückte Gruppe Australier und der Abend ist auch gerettet. Ein Yak-Steak mit 2 Spiegeleiern on top sind das erste Fleischgericht seit Tagen und schmeckt daher mit dem Carlsberg anbei umso besser. Mehr als 7 Bier schaffe ich dauf der Höhe von 3440 m nicht und verabschiede mich gegen 22.00 ins Bett. Die Nacht auf dieser Höhe und in dieser Temperatur kommt mir fast wie die Tropen vor. Ich brauche nicht mal den Schlafsack richtig zu machen.
Da mir Namche Bazar sehr gut gefällt, mache ich am nächsten Tag einen Ausflug in das tibetanisch buddhistische Dort Tame, was circa 3 Stunden entfernt liegt. Ich bin ohne Gepäck unterwegs und hoffe das Ziel eigentlich schneller zu erreichen, aber ich verlaufe mich ein wenig und so werden es dann eher 3 1/2 Stunden bis ich im Dorf von Uppa Sherpa angekommen bin. Dieser junge Herr (42 oder so) ist zur Zeit der erfolgreichste Bergsteiger des Everests. Insgesamt war er schon 16 Mal auf dem Gipfel. Als Porter angefangen ist er mittlerweile Kletter-Sidar, das bedeutet er ist verantwortlich für alle Seile und Sicherungen und hat eigentlich das sagen, wenn es ums klettern geht. Nach einem richtig guten Mittagessen besuche ich noch mit 2 Wienern (nicht die Würstchen) den nahegeliegenen Tempel und mache mich dann auf dem Rückweg. Dieser ist abgesehen von ein paar Wildbeobachtungen Musk Deer und Fasane unspektakulär, da Rückweg gleich Hinweg ist. Jedoch begegnen mir mehrere Läufer, die hier für den Volkslauf (18 km) und den Everest Marathon trainieren und dass auf einer Höhe von 4000 m. Es spinnen. In meiner Lodge treffe ich dann mal wieder auf ein paar Engländer, die ich schon vor ein paar Tagen getroffen habe und es entwickelt sich eine nette Unterhaltung für den Abend.
Bei herrlichem Sonnenschein am Morgen geniesse ich mein Frühstück auf der Terrasse und wärme meine Glieder. Ein kurzer Spaziergang bringt mich zum Sherpa-Museum was neben ner Menge Informationen auch noch mal einen letzten Blick auf den Mt. Everest bietet. Mit ein paar leckeren Donuts in der Tasche verlasse ich Namche Bazar am Nachmittag und beginne den langen Abstieg. Mir entgegen kommen immer wieder die Porter, die jegliche Waren von Lukla nach Namche in 2 Tagen auf dem Rücken transportieren. Je Kilogramm bekommen sie 20 Rupie (25 Cent) für den Weg, daher laden sie sich ihrer Körbe auch gleich immer mit 60-100 kg voll. Das ist schon sehr krass, was die hier leisten. Geht man davon aus, dass sie im Durchschnitt 80 kg an Bier, Keksen, Schafsschenkel, Pringels und ähnlichem meistens für die Touristen hochtragen, verdienen sie in den 2 Tagen 1600 Rp also 20 Euro, davon müssen sie dann noch 1 Unterkunft und Essen bzw. Trinken bezahlen. Was wir in 30 min in der Kneipe vertrinken, dafür müssen sie 2 Tage schuften.
Als ich mich nach 1 1/2 Stunden am Parkeingang in Monju auschecke, treffe ich doch tatsächlich wieder auf “John and the 7 Yaks” und ändere sogleich meinen Plan und schliesse mich ihnen an. Ich kann mich einfach nicht währen und erfreue mich der Fürsorge der Ladies. Auf den restlichen Kilometer tauschen wir Erfahrungen der letzten Tage aus. Gemeinsame kehren wir dann in Phakding in eine Lodge ein, spielen Karten und geniessen den vorletzten Abend des Treks.
Für die letzten Kilometer nach Lukla zum Endpunkt des Treks lasse ich mir wieder viel Zeit und sauge nochmal die Bergwelt in mich auf. Irgendwie ist es auch angenehmer und viel relaxter jeden Tag nur 3 Stunden zu gehen als täglich 6-8. (Entschuldigung Anne, dass wir das im Annapurna Gebiet noch nicht gemacht haben). John und seine Mädels sind schon ein wenig früher losgegangen aber anscheinend noch langsamer als ich, denn ich hole sie noch vor Lukla ein und kurz vor dem Ziel gönnen wir uns noch mal ein Mittagessen sowie eine heiße Schokolade. Endlich in Lukla angekommen, folgt dann eine große Fotosession. Der Beweis, dass wir alles überlebt haben. Der Guide der Gruppe hat derweil schon Zimmer in einer Lodge direkt am Flughafen gebucht und auch an mich gedacht. Bei einem Bier auf der Terrasse beglückwünsche wir uns gegenseitig. Den späten Nachmittag verbringe ich damit, restliche Karten und Tagebuch zu schreiben.
In einem Cafe erfahre ich, dass in Lukla herscht auf Grund der angespannten Lage mit den Maoisten Ausgehverbot ab 18.00 und es wird tatsächlich Stacheldraht auf den Straßen verteilt. Ich fühle mich also wie ein Partisane als ich 17.55 an den Soldaten vorbeischleiche und in meine Lodge zurückkehre. Dort erhalte ich mein Flugticket und die Zusage, dass ich morgen im ersten Flieger nach KTM sitze. Vielen Dank an den Guide von Johns Gruppe, der mir das sehr geholfen hat. Es hätte sonst auch sein können, dass man gar keinen Flug bekommt und einen Tag warten muss. Der Wind ermöglicht hier nur wenige Flüge am Tag und so entsteht schnell eine Warteliste.
Am Abend werde ich von der Gruppe noch zum Dal Bhat Essen eingeladen und der Abend dehnt sich bei Rum-Cola doch ziemlich aus und es wird getanzt und gesungen. Ich halte mich bei letzterem ein wenig zurück, denn die Bewegungen der Nepalischen Guides und Porter sieht doch ziemlich eigenartig aus. Das behagt mir nicht ganz so, zumal sie dann auch noch eng tanzen wollen. Ich rette mich also in mehrere Gespräche mit den Mädels und am Ende erhalte ich neben ner Menge Emails auch noch sehr nette Einladungen nach England. Da muss ich dann demnächst wohl mal hin.
Um 5.00 klingelt dann mein Wecker und nach einer Katzenwäsche und ohne Frühstück geht es in den angrenzenden Flughafen. Alle Hektik am Morgen war dann mal wieder umsonst, denn auch hier hat der Flieger ne Stunde Verspätung. Jedoch gelingt es mir um 7.15 einen Platz auf der dem Himalaya zugewandten Seite zu ergattern und kurze Zeit später bin ich auch schon in der Luft. Der Flug ist ebenso spektakulär wie der Hinflug. Eine Riesenaussicht auf die ganze schneebedeckte Gebirgskette macht den Abschied aus dem Himalaya ziemlich schwer. Ich verspreche innerlich bald wiederzukommen, auch wenn ich mich nach 15 Tagen nun wieder auf eine Dusche freue. Die Landung und der Transport vom Flughafen in die Stadt verläuft reibungslos und so bin ich um 10.00 wieder in meinem Hotel. Mit frischen Sachen geht es dann ins Fire and Ice und es gibt die beste Pizza, die ich je hatte. Mit diesem Luxus sind die letzten 5 Tage Kathmandu eingeläutet.