Es war wohl die schlechteste Nacht meines Lebens, die ich hinter mir habe. Zum einen ist es eh schon schwer zu schlafen in dieser dünnen Luft, da man ständig Angst hat nicht genügend Sauerstoff zu bekommen und zum anderen schnarcht der Typ im Zimmer neben mir doch echt so laut, dass ich aufwache und danach nichts mehr geht. Ich verfluche also die ganze Nacht diese Bretterverschläge und träume von richtigen Mauern zwischen den Zimmern. Nicht einmal Ohrenstöpsel, Mütze und Schlafsack über den Ohren helfen. Gott sei Dank klingelt dann um 4.40 der Wecker und ich springe in alle Sachen die ich habe, d.h. 3 Schichten am Unterkörper und tatsächliche 6 am Oberkörper. Wie ein Sumoringer gehe ich in die Küche und treffe auf meine Trekkingpartner außer Michelle, die aufgrund ihres Knies nicht mitkommt. Wir nehmen noch einen wärmenden Tee zu uns und dann geht es raus in die Dunkelheit.
Sofort erkennen wir unseren Fehler, keiner hat sich am Tag zuvor den Einstieg an den Berg gemerkt und wir suchen 10 minuten, ehe Steve den Weg findet und im Entenmarsch geht es ihm hinterher. Wie fast jeden Tag habe ich erstmal Probleme in die Gänge zu kommen und bleibe am Ende unserer kleinen Gruppe. Unsere Nachlässigkeit vom Vortag sollte uns dann gleich nochmal bestrafen, denn wir verlieren wieder den Weg und machen uns blindlings bergauf. Trotz unseren Taschenlampen finden wir den Weg nicht wirklich uns sehen uns riesigen Steinen gegenüber. Glücklicher Weise lässt es sich auf diesen gut klettern und auch wenn es eine schlechte Idee war, kommen wir auf diesem wohl schwerstem aller Wege gut voran. Leider muss nach einer Weile Ben zurück bleiben, da auch er Probleme mit dem Knie hat. Wir restlichen drei treffen jedoch in den ersten Sonnenstrahlen auf wieder auf den Pfad und erreichen nach knapp 1 1/2 Stunden den ersten Teil des Gipfels. Wie verwundern stellen wir fest, dass sich der Berg in drei Gipfel aufteilt und zum höchsten führt ein einfacher und nun deutlich zu erkennender Sandpfad. Nun gut wo wir schon mal hier sind, versuchen wir Photos zu machen, was bei -25 Grad und nur mit Fleecehandschuhen bekleidet, sehr schwierig ist. Dennoch gelingt es mir in 360° Bilder aufzunehmen. Wir schreiten dann noch alle anderen Gipfel ab und fotographieren uns gegenseitig auf dem höchsten Punkt bei 5685 m laut meiner Uhr. Der Abstieg dauert für uns nur knappe 35 min und in der Lodge warten schon Michelle und Ben auf uns. Wir bestellen unser Frühstück, packen unsere Sachen und sind ab 9.30 auf dem Abstieg in wärmere Gefilde.
Wie mit Energie vollgepumpt laufen wir hinunter und meistern Abschnitte, die uns gestern Stunden gekostet haben in weniger Minuten. Neben dem Glückgefühl wärmt uns die Sonne und schon bald erreichen wir Lobuche und Dhong La, wo wir zum Mittagessen einkehren. Bei Fingerchips mit Ketchup und “mountain medizine” eine heimische Chillisauce schwärmen wir mal wieder über das Essen aus der Heimat und ich muss des Öfteren verwundert blicken, wenn die Briten von ihren Essgewohnheiten sprechen. Gebackene Bohnen auf Toast ist da noch das normalste. Die frittieren echt Eis und Marsriegel und finden das lecker. Ich kann das nicht so glauben, beschließe aber es mal auszuprobieren. Leider kommen wir erst spät auf den Weg nach Periche und ein Berg verdeckt die Sonne, so dass der restliche Tag sehr kalt ist. Dafür entschädigen Nudeln mit Thunfisch und Gemüse sowie das luxuriöse Bett und Bad für alles. Es gibt mal wieder ein Wasserklo und fließend Wasser, wenn auch nur kalt und somit ist heute schon der 10. Tag ohne Dusche.
Am Morgen entscheidet sich Michelle mit mir in Richtung Namche Bazar abzusteigen, während die anderen drei noch Richtung Gokyo wieder bergauf wandern wollen. Mir reicht es nach 2 Treks mit dann doch und ich schlage mit Michelle den Weg talwärts ein. Kurz vor Pangboche teilen sich dann endgültig unsere Weg für diesen Trek und wir verabreden uns zu einigen Restaurantbesuchen in Kathmandu. Da Michelle wieder Probleme mit ihrem Knie hat, bleibt sie mit ihrem Porter zurück und geht nur langsam. Ein Blick auf meine Uhr zwingt mich jedoch zu einem flotten Schritt, wenn ich noch heute Khunjung erreichen will, wie ich es geplant hatte. Das letzte gemeinsame Mittagessen auf dem Trek und Fotosessions haben dann doch einige Stunden gekostet. Da ich den Weg und somit die Berge drumherum auf dem Hinweg schon gesehen habe, kann ich mit ruhigem Gewissen schneller gehen und verpasse nichts. Im noch voller Euphorie und Energie erreiche ich schnell die Ort Tengboche und Phungi Tenga und die Kreuzung nach Namche Bazar. Hier beginnt dann wieder Neuland für mich. Eine Stunde dauert der Anstieg ehe ich das Dorf erreiche, was sehr schön zwischen 2 Bergen eingebettet liegt. Die Häuser sind alle im gleichen Stil, Steine und blauen Balken, gebaut und erinnern vom Stil ans deutsche Fachwerk-Haus. Als ich mir eine Lodge suche, gelange ich zum ersten Mal an ein ausgebuchtes Haus. Direkt nebenan bin ich jedoch der einzige Gast und komme schnell ins Gespräch mit dem Eigentümer, der Lehrer ist und gutes Englisch spricht. Ich erfahre so neben dem leckeren Essen ne Menge über das Schulsystem, das Internat und darf kurz vor dem Bettgehen sogar noch BBC Nachrichten schauen. Als ich dann auf dem Weg ins Bett bin, kriege ich doch tatsächlich nicht meine Tür auf. Das zugehörige Vorhängeschloß gibt den Geist auf und alle anderen (40) Schlüssel des Hausherren helfen nicht weiter.
Auch meine Erfahrung im Schlüsseldienst bringen nichts und nur rohe Gewalt mit Hammer und Säge bringen mich ins Bett.