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Chhukung Ri – Gorak Shep – EBC

Am morgen stärke ich mich mit “Pancake” und Porridge und verlasse Dingboche ganz gemütlich und mit sehr wenig Gepäck für einen Tagesspaziergang mit Ziel Chhukhung Ri. Schon nach wenigen Meter merke ich, dass auch andere Leute den Tag zur Akklimatisierung nutzen und auf dem Weg ins 4700 m hoch gelegene Dörfchen Chhukung sind. Das ist übrigens die letzte Siedlung auf Nepalischer Seite danach geht es über einen Pass nach Tibet. Je höher ich komme desto weniger grün schmückt den Weg und teilweise ist es im Schatten des Ama Dablam noch so kalt, dass Teile des hier nun kleinen Flusses noch zu gefroren sind. An einer wärmeren Stelle treffe ich auf ne riesige Yak-Herde, die den Fluss und das Ufer so durch wühlt haben, dass es eher einer Schlammgrube reicht. Ich dachte immer, dass nur Schweine sich suhlen, aber habe mich wohl geirrt. Auf dem Weg nach Osten sehe ich zu meiner linken das Massiv von Nuptse und Lhotse und erkenne in einem kleinen Dorf, das nur aus 1 Haus besteht, den Kongma La, ein Pass, der fast direkt ins Everest Base Camp führt. Eigentlich würde ich gern über diesen weitergehen, aber ohne Führer und ganz allein riskiere ich es bessser nicht. Der weitere Weg führt mich stetig bergan bis ich nach 2 Stunden in eine kleine Lodge einkehre und bei “Hot Lemon” Helmut den Lehrer aus Wegscheid (bei Lenggries) kennen lerne. Der erzählt mir erstmal, dass es im Lehrerberuf möglich ist alle 5 Jahre in Sabatjahr einzulegen. Ich glaube, ich muss nochmal studieren und werde Lehrer. Nach dem Aufwärmen geht es zusammen mit ihm auf den Berg. Fast 1000 Meter Anstieg stehen uns bevor und es geht richtig knackig los. Anscheinend bin ich ein wenig besser akklimatisiert, denn Helmut hat ein paar Probleme und fällt zurück. Ich kann leider nicht warten, da ich im Gegensatz zu ihm noch bis nach Dingboche zurück will. Weiter geht es also für mich und die Luft wird merklich dünner. Der Weg führt nun sehr gut einzusehen über ein Geröllfeld immer bergan und ich erkenne ein paar Steinhaufen, bei dem vielen Wanderer stehen. Anscheind ist das Ziel also nicht weit entfernt. Ziemlich fertig erreiche ich diese Haufen und muss feststellen, dass ich erst auf 5200 m bin und das Ziel also noch weitentfernt. Nach kurzer Überlegung siegt dann aber das Bergsteigerherz und ich kämpfe mich weiter bergan. Eine deutsche Reisegruppe spricht mir noch Mut zu, auch wenn sie umkehren, weil ihnen der Weg zu schwer erscheint, meinen sie allein kann ich das schaffen. Tja und dann kommt es wie immer, wenn man kaputt ist. Hinter jedem geglaubten Gipfel türmt sich ein neuer auf und ich glaube schon gar nicht mehr daran hochzukommen. Die Luft ist super dünn und alle 5 Höhenmeter muss ich erstmal richtig durchatmen, bevor es weitergeht. Insgesamt 4 1/2 Stunden nach meinem Frühstück erreiche ich dann den mit Gebetsfahnen geschmückten Gipfel. Ein 360 Grad-Schwenk zeigt mir dann Himalaya soweit das Auge reichen kann und ein paar richtige Schönheiten. Im Norden steht die Nuptsewand und verdeckt mit 7900 m den Everest aber Makalu und Lhotse sind gut zu sehen und im Süden steht der Ama Dablam. Knapp 30 m bleibe ich auf dem Gipfel und treffe noch eine andere deutsche Gruppe, die ich herzlich begrüße ehe der Rückweg auf mich warten. Durch dicke Wolken, die hier am Nachmittag immer ins Tal ziehen, gehe ich den Weg zurück und erreiche komplett ausgelaugt nach 7 1/2 Stunden mein Bett. Eine kurze Ruhepause und dann bestelle ich mir neben dem üblichen Reis noch einen dicken Schokokuchen. Neidisch blicken John und 7 Frauen zu mir rüber und schon ist man wieder ins nächste Gespräch verwickelt. Die Gruppe kommt aus England und die 7 Mädels um die 40-55 kümmern sich redlich um mich und ich spiele mit Genuss Ersatzkind, da es Süssigkeiten, Tee und ne Menge Gaudi gibt. Die fangen doch tatsächlich noch an zu tanzen. Die spinnen die Briten.

Der nächste Tag beginnt relativ ruhig. Mein Weg führt mich heute nach Lobuche und das liegt nur 500 m höher und 3 Stunden entfernt. Gut gelaunt und akklimatisiert verabschiede ich mich von John alias “Snowwhite” und den 7 Mädels alias “Dwarfs or Yaks” und kehre Dingboche bei herlichem Sonnenschein den Rücken. Schon nach 30 minuten höre ich hinter mit bekannte Stimmen und da sind Michelle und Carolin wieder. Gemeinsam schaffen wir es schon nach 1 1/2 Stunden Dhong La zu erreichen, was eigentlich erst eine Stunde später geplant ist. Der obligatorische Tee stärkt uns für den Nachmittagsanstieg nach Lobuche, was wir ebenfalls eine Stunde vor der Zeit erreichen. Der heutige Weg ist mehr von Überholen und von Ausweichen gekennzeichnet als von großen Ausblicken. Das Tal wird immer enger und es geht auf Geröll nur bergan. Da ich mich fit fühle, überlege ich, ob ich nicht noch bis nach Gorak Shep, kurz vor dem EBC, gehe, entscheide mich dann aber bei den Mädels zu bleiben und treffe auch Ben und Steven wieder. Zusammen bilden wir jetzt eine lustige 5er Gruppe und ich kann fleißig mein Englisch verbessern. Lobuche wurde schon vielen Trekkern als der häßlichste und dreckigste Ort bezeichnet und auch ich muss diesem leider zu stimmen. Die Hütten sind super eng, alt und die Toilettenanlagen bestehen nur aus einem Loch und ein paar Brettern drumherum. Also kein Ort für einen Hochzeitsurlaub. Als dann der Koch auch noch die Heizung bedient und mit blosen Händen den “Nepali Pancake” ins Feuer wirft, bin ich glücklich schon gegessen zu haben. Der “Nepali Pancake” ist nämlich nichst weiter als getrocknete Yak-Scheiße, die es ja hier zu hauf gibt. Erstaunlicher Weise stinkt das Zeug nicht und hat ne enorme Heizkraft. Trotzdem treibt uns die Kälte schon gegen 19.30 ins Bett und eine SIGG-Flasche mit heißem Wasser dient mir hierbei als Wärmflasche.

Zu fünft brechen wir am Morgen auf, auch wenn es Michelle mit Knieproblemen und Ben mit Kopfschmerzen erst nicht so gut geht. Wie gestern geht es ständig bergauf und wieder und wieder über kleine Hügel und das ständig auf Geröll. Zeit und Luft bleibt keine für die großen Berge an den Seiten, denn jeder hat mit seinem schwerem Rucksack zu kämpfen. Gemeinsam mit den Jungs erreiche ich nach knapp 2 Stunden Gorak Shep und feilsche erstmal um die Zimmer, die wir dann für 100 Rupie (1,15 €) die Nacht bekommen. Da wir ziemlich geschafft sind und am Nachmittag nochmal 5 Stunden wandern anstehen, gönnen wir uns ne kräftige Suppe zum Mittag ehe wir kurz nach 12.00 aufbrechen. Über ein kleines Hochplateu kommen wir zum Einstieg auf den Khumbu Gletscher. Dieser besteht mehr aus Stein und Geröll aber Knirschen und ab und an Wasser bzw. Eis lassen uns wissen, dass wir echt auf einem Gletscher sind. Nach ein paar Minuten verschwindet dann der Everest komplett aus unserem Blick. Das ist das Besondere, dass man vom Gletscher und vom Base Camp den Gipfel überhaupt nicht sieht. Die andere Berge drumherum sind aber eh schöner anzuschauen und daher trübt es unsere Stimmung nicht. Die gewaltiger Steine und eine Gletscherspalten und -höhlen machen den sonst eintönigen Weg dann doch zu was besonderem. Als wir das Gebiet auf dem Gletscher erreichen, was im März bis Mai (Das ist die einzige Zeit an dem die Winde am Gipfel einen Aufstieg erlauben) als Basislager für die Everestexpeditionen genommen wird, herscht eine angespannte und teilweise makabre Stimmung. Zwei abgestürzte Hubschrauber, der gewalltige Khumbu Eisfall, durch den alle Bergsteigen müssen und ständige Lawinen sind sehr beeindruckend und teilweise furchterregend. Dazu kommt der Gedanke, dass von hier bis zum Gipfel einige Menschen ihr Leben gelassen haben und die Mehrheit noch dort oben liegt, da es zu schwierig ist ihre Leichen zu bergen. In unser Gruppe herscht wohl auch deswegen eine gewisse Stille und wir machen uns recht schnell wieder auf den Rückweg. In der Lodge angekommen, mache ich erstmal ein kleines Schläfchen bevor wir beim Abendessen den nächsten Tag planen. Um 5.00 Uhr soll es los gehen, um den Kala Patthar zu besteigen. Wenn alles klappt, wären wir dann zum Sonnenaufgang am Gipfel. Eigentlich soll es schöner sein, sich den Sonnenuntergang anzuschauen, aber wir wollen morgen noch absteigen, denn es ist bitterkalt hier oben.

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