Nach dem ersten Blick auf das Dach der Welt steigt natürlich die Lust auf mehr und ich wandere zum Mt. Everest View Hotel, das die Japaner hier vor ein paar Jahren gebaut haben. In einer knappen Stunde erreiche ich das Luxus-Hotel, ich glaube dort gab es sogar Duschen, und geniesse den Ausblick bei einer teuren Kanne Tee. Mit 4 € sind das fast deutsche Preise, dafür entschädigen aber die Berge und der Ama Dablam stielt den Riesen die Show. Ein wahnsinnig hübscher Berg, der zwar nur circa 6800 m hoch ist, aber so isoliert steht und einen super schönen Gipfel hat, das er von überall zu erkennen ist. Über ein paar kleine Umwege komme ich dann zurück nach Namche und gönne mir einen warmen Schokokuchen, jetzt wo der Magen wieder mitmacht. Bei Tee und “plain noodels” vergeht dann der letzte Abend mit Roger, der aufgrund seines lädierten Knies noch ein paar Tage bleiben will. Ich kann es dagegen kaum noch erwarten, um Hand bzw. Fuss an den Berg zu liegen.
Am nächsten Morgen nach Porridge und Toast bin ich gegen 7.30 wieder zurück auf dem Weg. Die Antibiothika zerren zwar an meinen Kräften, aber der erste Teil ist flach und geht dann sogar 600 m bergab. Auf diesen engen Pfaden überhole ich mehrere Asiatische Gruppen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es Japaner oder Koreaner sind. Ich bezeichne sie daher nur noch als “Tripoder”. Denn alle, wirklich alle, von ihnen haben ne riesen Kameraausrüstung und ein Stativ (Tripod für die englisch unmächtigen) mit sich. Das ist ziemlich nervig, da sie immer in Massen 20 Leute plus 20 Träger für das normale Gepäck auftreten. Außerdem halten sie bei jedem Blick auf den Everest an und stellen ihre 20 Tripods auf und schiessen unzählige Fotos. Leider bin ich zu genervt von ihnen ansonsten hätte ich sie mal fotografiert. Ich frage mich immer, ob die erst zu Hause mitkriegen, wo sie nun eigentlich waren.
Egal ein paar schnelle Schritte und ich lasse die großen Gruppen hinter mir und treffe direkt im Tal in Phunki Tenga (einer meiner Lieblingsorte, aber nur des Namens wegen) auf Michelle (Australien), die ich schon im Flieger nach Lukla kennenlernte und ihre Freundin Carolin (Kanada). Beim gemeinsamen Mittagessen weiss ich noch nicht, dass wir einen Großteil der nächsten Tage gemeinsam verbringen werden. Der nachmittagliche Aufstieg zeigt mir dann leider deutlich, dass ich noch nicht ganz fit bin und ich muss ziemlich kämpfen, um hoch zu kommen und mit Carolin Schritt zu halten. Ich kann mich ja nicht so einfach abhängen lassen, dass macht mein Stolz nicht mit.
Der Weg führt uns circa 900 Höhenmeter durch den Alpen ähnlichen Wald und endet im buddhistischen Dorf Tengboche, das einen Wahnsinniger Ausblick auf Everest, Nuptse, Lhotse und wieder Ama Dablam hat. Es ist ein Traum, der doch ein sehr schönes Kloster und angenehme Lodges vervollständigt wird. Leider ist es zum ersten Mal super kalt und ich verziehe mich schnell ins geheizte Esszimmer. Die Mädels entscheiden dann nach Absprache mit ihrem Träger, dass sie noch ein Dorf weitergehen und somit trennen sich unsere Wege doch noch einmal.
Ich sitze also allein und versuche mein Tagebuch zu schreiben, als ich neben mir dann doch 2 eindeutig bayrische Mädels höre und nach kurzem “servus” bin ich auch mit ihnen im Gespräch. Die beiden sind schon auf dem Rückweg und ich erhalte noch ne Menge Tipps sowie 2 Packungen Mini-Salami. Auch wenn der Magen sie noch nicht haben will, nehme ich sie dankend an. Der Abend verläuft sehr ruhig und die Nacht in meinem Einbett-Apartment mit Länge 2,4 m und Breite 1,5 ist angenehmer als erwartet. Der frühe Morgen bietet dann gleich die ersten schönen Bilder auf die sonnenbestrahlten Giganten.
Mein Weg führt mich durch lichten aber wirklich sehr schönen Wald, über einige Brücken und durch mehrere kleine Dörfer, wobei acuh 2 Häuser und 1 Stall als Dorf bezeichnet werden. Nach knapp 2 Stunden durchquere ich Pangboche und laufe dann immer am Hochufer eines Flusses entlang, ehe ich an die Wegscheide von Dingboche und Periche komme. Bis hierhin hatte ich mir meine Entscheidung offen gelassen, welchen Weg ich nehmen werde und beschliesse nach einem kleinen Mittagssnack dann nach Dingboche weiter zu gehen, das ich auch nach 50 min erreiche. Auf 4400 m ist jetzt von Flora und Fauna nicht mehr viel zu sehen und auf meinem Akklimatisierungsspaziergang auf 4800 m wird es dann auch schon bitter kalt. Die kleine Lodge, die ich als Heimat für die nächsten beiden Tage gewählt habe, ist sehr nett und der Nepali absolut höflich. Neben 2 Ärzten, die hier eine Studie zur Höhenkrankeit machen, lerne ich Ben und Steve aus England kennen. Während des Abendessen (Vegi-Fried-Rice also endlich wieder mehr als einfache Nudeln) lasse ich mich über die Studie der Ärzte aufklären. Sie untersuchen die Wirksamkeit vom anerkannten Diamox und einfachen Ibuprofen in Bezug auf Höhenkrankheit und suchen dafür freiwillige Trekker. Man bekommt einfach ein paar neutral verpackte Tabletten und muss dann Symptome und Schmerzen aufschreiben, sowie eine Einschätzung welche Medizin man nun genommen hat. Ich falle leider aus, da ich vor kurzem schon über 5000 m war und beschliesse aber nächstes jahr wieder zu kommen, da dann Diamox mit Viagra verglichen wird. Das wird sicherlich leicht zu erkennen sein, welche Medizin man dann bekommen hat.
Bevor ich mich in meine Daunen schmeisse, bewundere ich noch ein paar Minuten den sternenklaren Himmel, der viel imposanter als von Dt. aussieht. Das liegt wohl eindeutig an den hier nicht vorhandenen Lichtquellen, denn der Solarstrom, den sie hier ab und anhaben, wird schon um 21.00 abgestellt und danach geht es nur noch mit Taschenlampe und Kerze weiter.