Hallo ihr Lieben,
nachdem der erste Monat in Cincinnati schon vorbei ist und ich mittlerweile so einiges erlebt habe, möchte ich euch heute von meinen Eindrücken berichten (Details können gerne jeder Zeit per Telefon eingefordert werden
):
Arbeit
Von meinen amerikanischen Kollegen bin ich sehr freundlich empfangen und aufgenommen worden. Um einen besseren Überblick über die verschiedenen Aufgabengebiete und Verantwortungsbereiche zu bekommen, hat mein Chef sämtliche Kollegen angehalten, mich in ihre Meetings einzubinden…. und so verbringe ich nun die meiste Zeit des Tages in Meetings
Das ist insofern angenehm, da ich mich erst noch daran gewöhnen muss, in einem Cubicle im Keller zu sitzen. Durch die Meetings hat man dann wenigstens etwas Kontakt zu anderen. Ich glaube ich werde ein Großraumbüro in Deutschland ganz anders zu schätzen wissen, wenn ich wieder zurück bin. Aber so kann man sich wenigstens ganz auf seine Arbeit konzentrieren und das ist auch ganz gut so, denn ich habe gleich die Projektleitung für ein relativ großes Projekt bekommen – die Einführung eines Service- und Preiskatalogs für unsere IT. Das Projekt ist bisher sehr spannend und ich bekomme glücklicherweise tolle Unterstützung von meinem Chef. Ansonsten sind sämtliche Kollegen deutlich älter als ich, sind hier aufgewachsen und haben Familie mit Kindern. Daher beschränkt sich der Kontakt (leider) überwiegend auf das berufliche Umfeld. Aber eine weitere Deutsche gibt es noch an meinem Standort und mit ihr gehe ich dann auch ab und zu Essen. Sie hat mir auch den Tip gegeben, dass an einem weiteren Siemens Standort in Norwood mehr deutsche Praktikanten sind, die viel gemeinsam unternehmen. Kontakt habe ich schon mit einer (sehr netten) Praktikantin aufgenommen und jetzt hoffe ich, dass ich den Rest der Gruppe bald mal kennen lerne.
Freunde
Ansonsten hatte ich glücklicherweise von Anfang an Anschluss gefunden. Eine MBA Kommilitonin ist ebenfalls von Siemens nach Cincinnati delegiert worden und lebt hier mit ihrem Freund bereits seit August 2009. Zufällig wohnen sie in einer Appartmentanlage ca. 10 Minuten von meiner Wohnung entfernt und so verbringe ich die meisten Wochenenden gemeinsam mit den beiden. Heute sind wir durch eine verschneite Landschaft in Indiana und Ohio gefahren, um zwei ganz tolle Städtchen anzuschauen – und zu shoppen. Leider waren die Geschäfte zu.In zwei Wochen werde ich mit ihnen vermutlich nach New Orleans fahren und Ende März nach Las Vegas fliegen. Schließlich ist ein Jahr nicht so lange, wenn man versucht, sich einen ganzen Kontinent anzuschauen.
Haus in Indiana
Haus in Indiana
Landschaft mit Windrad in Indiana
Typische Scheune in Ohio
Amerikanischer Highway im Winter
Freizeit
Langeweile ist bei mir bislang noch keine aufgekommen. Aber das ist bei dem Freizeitangebot hier auch sehr schwer. Bzw. gab es am Anfang so viel zu erledigen (Möbel kaufen, Wohnung einrichten, Driver License und Social Security number beantragen,…), dass ich ständig auf Achse war. Damit mir aber auch in Zukunft nicht langweilig wird und ich so viel amerikanischen Fastfood essen kann, wie ich möchte (ich kann ihn aber jetzt schon nicht mehr sehen J ), habe ich mich in einem Fitnessstudio angemeldet. Auch die Fitnessstudios hier sind größer als in Deutschland. So habe ich neben den Geräten auch die Möglichkeit mich an einer Kletterwand auszutoben, Volleyball, Basketball, Racketball oder Squash zu spielen. Weiterhin werden unzählige Kurse wie Yoga, Pilates, Kickboxing, etc. angeboten. Wenn ich auf all das keine Lust habe, kann ich noch Schwimmen oder Rutschen gehen, in Whirlpools oder in Sauna und Dampfbad relaxen. Für den Anfang habe ich mir einen personal Trainer genommen und hoffe, dass ich so endlich mal wieder etwas mehr Sport mache. Am Dienstag habe ich meine erste Stunde und die beginnt mit einem Fitnesstest. Mal schauen, was das wird…
Daneben habe ich letzte Woche mit Englisch Unterricht begonnen. Siemens zahlt mir 20 Stunden und so versuche ich das Angebot zu nutzen und mein Business English zu verbessern. Mit der Sprache klappt es hier zwar sehr gut, aber mit den Gepflogenheiten und Floskeln im Geschäftsleben bin ich dann doch noch nicht so vertraut. Aber ich merke jeden Tag, wie es immer besser klappt.
Ansonsten gibt es hier eine Überfülle an Restaurants, die alle ausprobiert werden möchten. Hier habe ich jetzt mit einer Bekannten ausgemacht, dass wir jede Woche mind. einmal Essen gehen und neue Restaurants ausprobieren. Bisher habe ich (zusammen mit Thomas, als er hier war) einen sehr tollen Italiener und American Diner gefunden. Dazu kamen mittlerweile eine tolle Bar (mit herrlichem Ausblick über Downtown Cincinnati) und Restaurants mit leckeren Sandwiches und Wings. Als nächstes stehen noch ein Steakrestaurant und ein Asiate auf dem Programm. Also für das kulinarische Wohl meines Besuchs ist auf jeden Fall gesorgt
Auto
Good news! Eigentlich sollte ich meinen Passat CC erst Anfang März bekommen. Anfang letzer Woche habe ich aber einen Anruf von meinem Händler bekommen, dass mein Auto bereits zur Abholung bereit steht. Für Samstag hatte ich einen Termin vereinbart, aber nachdem uns in der Nacht von Freitag auf Samstag ein Schneesturm heimgesucht hat, waren die Strassen bis Samstag Mittag kaum befahrbar. Mittlerweile sind die Strassen aber wieder frei (und weis vor Salz) und so hoffe ich, dass ich morgen endlich mein Auto abholen kann. Bilder und Bericht folgen dann selbstverständlich.
Amerikanische Besonderheiten
Das dass amerikanische Leben anders ist als das deutsche, hatte ich mir schon gedacht. Trotzdem gibt es jeden Tag Dinge, über die man sich wundern, lachen oder einfach nur den Kopf schütteln kann. Hier ein paar Beispiele:
- Amerikaner haben Angst vor Schnee. Sobald es eine Flocke schneit, schließen sämtliche Schulen für die nächsten 2 Tage und alle Salzwerke werden geleert. Als wenn das noch was nützt, wenn hier 20cm Schnee liegen.
- Amerikaner lieben es bequem. Sowohl die Möbel als auch die Klamotten sind auf Bequemlichkeit ausgelegt. Dabei spielt wohl Aussehen keine große Rolle mehr. Die Möbel sehen meistens aus wie bei Opa und Oma und nicht selten sieht man Leute mit Jogginghose, Flipflops / Turnschuhe und Sweatshirts beim Einkaufen – so als wären sie grad aufgestanden.
- Alles ist hier größer. Vor allem die Supermärkte sind der Hammer und so brauche ich im Durchschnitt ca. 2 Stunden (Tendenz sinkend) im Supermarkt. Selbst wenn ich weiß, was ich will und nur ein Brot und was zu Trinken brauche. Achja, Brot. Ich bin immer noch auf der Suche nach einem guten Brot und freunde mich langsam mit Pumpernickel an, weil das Brot hier ansonsten mit Zimt oder Rosinen oder Schokolade oder anderen komischen Dingen gemacht ist. Scheusslich! Aber neben der Suche nach einem guten Brot, kann man noch Möbel, Klamotten, Elektronikartikel und sogar Tiere kaufen – in ein und demselben Supermark. Und das natürlich rund um die Uhr (d.h. 24 Stunden pro Tag). Echt der Wahnsinn. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt.
- Cincinnati Chilli. Eine echte kulinarische Mutprobe! Chilli mit Schokolade und Zimt gewürzt. Ich habe es probiert…. wer wissen will, wie es schmeckt, ist herzlich eingeladen, vorbei zu kommen
Wohnung
Nachdem Thomas (DANKE!) schon ein paar Bilder eingestellt hat, wisst ihr ja, wie meine Wohnung aussieht. Ich fühle mich hier sehr wohl und dank Thomas Hilfe, war die Wohnung bereits nach 2 Wochen komplett eingerichtet. Jetzt warte ich nur noch auf den Frühling, damit der Pool endlich aufgemacht wird. Aber das dauert vermutlich noch bis April / Mai.
Aber bis dahin nutze ich die Zeit mir das Land weiter anzuschauen und das amerikanische Leben zu genießen. Auch wenn hier vieles anders und ungewohnt ist, fühle ich mich sehr wohl – auch wenn ich meine Familie, Freunde und natürlich Thomas sehr vermisse. Zum Glück hat sich schon etwas Besuch angemeldet und es gibt noch so viel zu entdecken und zu erleben, dass das eine Jahr sicher schnell vergehen wird.
Ich hoffe, ihr habt nun einen ersten Eindruck von meinem „neuen“ Leben bekommen. Updates folgen natürlich. Ansonsten freue ich mich natürlich immer über ein Lebenszeichen aus der Heimat.
Ich drücke euch!
Eure Lisa