Meine letzten Tagen begannen mit einem nervenaufreibenden Roadtrip. Matze und ich fuhren morgens in Richtung Norden, da ich am Nachmittag die Fähre nach Wellington nehmen wollte. Noch in Kaikoura meinte er “oh, wir müssen demnächst tanken”. Schöne Idee, aber es fand sich in den nächsten Kilometern leider keine Möglichkeit dafür. So stoppten wir an einem Café und Matze fragte, ob sie uns vielleicht aushelfen könnten. Glücklicherweise fand sich ein nettes australisches Ehepaar, welches Matze (ausgerüstet mit Benzin-Kanister, da er dieses Erlebnis bereits schon einmal hatte) bis zur 25km entfernten Tankstelle brachte. Mir blieb nichts anderes übrig als zu warten und Kaffee zu trinken. Eine Stunde später marschierte Matze ins Café, das Ehepaar hat ihn freundlicherweise auch wieder zurückgebracht…50 km Umweg nahmen sie gerne in Kauf. Er meinte grinsend und völlig relaxt “everything is alright”. What? Ich war nicht ganz seiner Meinung, ich fühlte mich etwas unter Stress. Völlig durchgeschwitzt habe ich die Fähre dann aber doch noch erreicht und musste sogar noch anstehen. Nach diesem aufregenden Morgen ging dann die gemeinsame Woche mit Matze zu Ende.
In Wellington habe ich dann mal wieder paar Tage für mich allein verbracht, ich habe die Sonne am Hafen genossen, bin mit dem Cable Car zum Botanischen Garten gefahren und war im Te Papa-Museum. Dieses Museum ist riesig und so abwechslungsreich, ich war zwei Tage hintereinander da und habe noch nicht alles gesehen.
Von Wellington aus nahm ich den Bus nach Taupo, von wo aus ich dann am nächsten Tag zum Tongariro Crossing aufbrach. Einer der populärsten Ein-Tages-Tracks in NZ – ein Foto ohne Menschen ist eine Rarität, das war zum Teil etwas nervig. Aber die Landschaft ist mal wieder einzigartig, Vulkanlandschaft mit unglaublichen Farben. Wir sind zusätzlich noch auf den Mt. Ngauruhoe geklettert, den Schicksalsberg von Herr der Ringe. Das war extrem anstrengend und steil, zum Teil bin ich auf allen Vieren gekrabbelt. Der Weg nach Mordor ist nun mal kein Spaziergang. Oben saßen wir dann leider nur in einer dicken Wolke und konnten den Krater nur erahnen. Nach dieser Wanderung lernte ich im Hostel Dor (Israeli) und Thjis (Holländer) kennen. Wir verbrachten lustige Abende in Taupo oder saßen tagsüber mit Bierchen in den warmen Quellen. Da wir uns so gut verstanden, entschieden wir dann auch gemeinsam nach Rotorua weiterzufahren. Im Hostel in Rotorua stellte uns Dor so vor: “she is the beauty, i´m the wisdom and he is the driver”. Ich war mit meiner Rolle sehr zufrieden.
Der Typ an der Reception meinte, es ist nicht zu glauben, dass ihr euch erst seit drei Tagen kennt, es wirkt als wenn ihr seit 13 Jahren befreundet wärt. Wenn ich nicht mit den Jungs Zeit verbracht habe, war ich im Te Puia Park, wo ich Geysire, Cooking Pools und Mudpools bestaunen konnte. Es war beeindruckend, überall dampft es aus der Erde. Allerdings ist der Geruch etwas gewöhnungsbedürftig, es stinkt nach faulen Eiern. Und dann kam Mike(Kalifornier) nach Rotorua, wir hatten uns in Wellington im Hostel kennengelernt. Wir fuhren mit seinem Campervan zu den Hot Pools außerhalb der Stadt…bei 39° in einem Naturpool liegen und den Blick auf die Berge geniessen, das war Erholung. Als wir dann am Abend wieder zurück fahren wollten, war die Erholung allerdings schnell vorbei, denn das Auto sprang nicht mehr an. Mike war für solche Notfälle glücklicherweise schon gerüstet und lud die Batterie auf. Anschließend wagten wir uns auf die Straße, teilweise ohne Licht damit wir Energie sparen. Ich imitierte mit der Taschenlampe die Scheinwerfer – was für ein Abenteuer. 5km vorm Ziel begann das Auto dann zu stottern und es roch nach Rauch, so blieben wir am Straßenrand stehen und Mike rief den Pannendienst. Halbe Stunde später war die Rettung da, gab uns Starthilfe und geleitete uns bis zum Hostel. Anscheinend habe ich keine gute Wirkung auf die Autos hier in NZ, ich sollte mich doch lieber nur ans Busfahren halten. Am nächsten Tag war ich mit Mike in einem Maori-Dorf, dort sahen wir die typische Tanz- und Kampfshow und ließen uns das Hangi Meal schmecken, es war unglaublich lecker, wir konnten gar nicht mehr aufhören zu essen. Nach diesem Abend hieß es dann Abschiednehmen von den Jungs, es war eine unglaublich tolle letzte Woche und der Abschied fiel mir dementsprechend schwer.
Back in Auckland checkte ich im gleichen Hostel ein und war sogar im gleichen Zimmer. Am Hafen habe ich dann ganz für mich allein meine letzten zwei Monate Revue passieren lassen. Die Zeit war einfach unbeschreiblich, ich habe viele tolle Sachen erlebt und nette Leute kennengelernt. Ich glaube diese Art von Reisen macht süchtig…also vielleicht demnächst ein neuer Blog.